dr Hammerlob-Man

Diese Seite ist dem Schnitzer und Holzgestalter

Manfred Nestler aus Königswalde gewidmet.

 

Manfred Nestler

geboren am 8. März 1931

verstorben am 20.April 1995

 

Am 8. März 2001 hätte Manfred Nestler seinen 70.Geburtstag gefeiert.

In Würdigung seines vielseitigen Schaffens wurde aus diesem Anlaß

im Kulturhaus "ERZHAMMER" eine Sonderausstellung

"ne Hammerlob seine Manneln"

 

durchgeführt, zu deren Eröffnung ich mit nachfolgenden Worte versuchte

sein Leben und Schaffen zu würdigen:

 

 

Wenn's Dannerschtig üm achte is,
do komm mr alle zamm,
dr Günt, dr Loth, dr Will, dr Guid
un aah de Hammerlobn !

Mit diesen Zeilen beginnt das Kinneschwäller Schnitzerlied. Sie stammen aus der Feder von Manfred Nestler.

Die Nestler's heißen in Königswalde "Hammerlob", weil ein Vorfahr dieser Familie 1751 den ehemaligen Königswalder Kupferhammer erwarb und zur Ölmühle umbaute. Damit hatte auch Manfred Nestler schnell seinen Namen weg: er war nur noch dr Hammerlob-Man.

Als er diese Verse schrieb, waren die 3 Hammerlobn: Walter, Gunter und Manfred Nestler schon ein fester Teil des Königswalder Schnitzvereins und gehörten zur kleinen Schar derer, die den Verein über die schweren Anfänge in den 50iger Jahren brachten.

Manfred Nestler hatte im Umgang mit dem Holz schon mit 14 Jahren einen schweren Schicksalsschlag erleiden müssen, als er beim Handlangern in einer Tischlerei seinen linken Unterarm verlor. Doch er blieb dem Holz treu und ging nun in seiner Freizeit mit zu den Schnitzern.

Tischler konnte er nicht mehr werden, und so erlernte er den Beruf eines Gebrauchsgrafikers.

Ich glaube, einen besseren Beruf hätte es für ihn gar nicht geben können. Hier konnte er wirklich kreativ arbeiten, hier waren seine Ideen und seine handwerklichen Fähigkeiten gefragt und gefordert und er lernte vieles, was er auch in seinem Hobby, beim Schnitzen und Drechseln gut gebrauchen konnte: Zeichnen, Stilkunde, Farbenlehre, Schriftgestaltung usw.

So kam es zu einer wunderbaren Ergänzung von Hobby und Beruf und das war wohl auch die Basis, daß er sich selbst so einen schönen eigenen Stil erarbeiten konnte, daß man eine fertige Figur, ein geschnitztes oder gedrechseltes Mannl bloß anschauen braucht - dos is vom Hammerlob-Man.

Fast möchte man sagen, zum Glück hatte er keine großen Vorbilder oder Lehrmeister, die ihn vielleicht in eine andere als diese, seine eigene Richtung gedrängt hätten.

Besonders bei seinen Drechselarbeiten, den Schwibbögen und Pyramiden kommen seine Grundsätze bei der Gestaltung, seine eigene Handschrift, am deutlichsten hervor, die seine "Mannle" so unverwechselbar machen:

Den Einsatz der Farben beherrschte er wie kein anderer Schnitzer oder Drechsler.

"Die Volkskunst lebt von der Farbe" war einer seiner Leitsprüche und zu uns sagte er:

"Mit Farb könnt ihr noch viel mehr aus eure Mannle raushuln, aber aah viel versaue".

 

Auch bei den geschnitzten Figuren kreierte er seinen eigenen neuen Stil:

 

Mit solchen neuen Ideen und Gestaltungsvorschlägen hatte er es nicht immer leicht. Er mußte mit althergebrachten Meinungen streiten, mit Schnitzern, für die nur roh belassene Figuren zählten, mit Drechslern, die einfach Seifener Ware kopierten und Bastlern, die Kitsch als Volkskunst verkauften.

Doch der Erfolg, die Bewunderung seiner neuen Gestaltungen und Ideen durch viele Liebhaber seiner Werke, durch Ausstellungsbesucher und Schnitzfreunde gab ihm immer wieder recht und heute sind sie für viele Schnitzer und Drechsler Vorbild oder schon Selbstverständlichkeit geworden.

Seine Ausbildung, sein Wissen, Ehrgeiz und eine starke Heimatverbundenheit brachten ihn dazu, sich mit allen Bereichen unserer erzgebirgischen Volkskunst zu beschäftigen. Er zeichnete, malte Bilder, dichtete, entwarf Symbole und Plakate, entwickelte Lehr- und Anschauungsmaterial.

So beschäftigte er sich auch zum Beispiel intensiv mit der Gestaltung von Pyramiden. Nicht nur, daß er für sich selbst wunderbare Pyramiden entwarf und selbst baute, Pyramiden auf denen die Figuren im Vordergrund stehen und nicht aufwendig verschnörkelte Pyramidengestelle.

Details einer Pyramide von M.N.

Er nahm sich auch der Laubsägepyramiden an, entwarf neue dekorative Formen, gab Hinweise und Vorbilder für ihre sinnvolle Gestaltung, auch wenn er selbst keine Laubsägearbeiten anfertigte.

Gleiches könnte ich zu seinen wunderbaren Ideen für Schwibbögen und Drehleuchtern erzählen. Ich würde mich nur wiederholen müssen.

Schwibbogen mit Winterlandschaft

 

Ich selbst hatte das große Glück, ne Hammerlob-Man einige Jahre als Schnitzlehrer zu haben. Das begann 1964, als in Königswalde ein Kinderzirkel AG Schnitzen gegründet wurde und er bald darauf die Leitung übernahm. So gehörte ich mit zu den ersten, die bei ihm das Schnitzen lernen sollten.

Auch wenn wir damals freilich noch keine Kunstwerke vollbracht haben, einige seiner Grundsätze sind auch bei mir hängen geblieben und außerdem hat es uns damals viel Spaß gemacht mit ihm zu schnitzen, bei ihm etwas zu lernen.

Wenn mich heute jemand nach meinem Werdegang als Schnitzer fragt, sage ich immer mit Stolz: ich habe das Schnitzen bei Manfred Nestler gelernt.

Bis zu seinem Umzug 1980 nach Mildenau war er eine tragende Säule in unserem Schnitzverein. Er war sehr gesellig und unterhaltsam, geachtet und beliebt bei seinen Schnitzfreunden. Er entwarf unsere Ortspyramide, gestaltete Wegweiser und Schilder, er leitete den Aufbau unserer Ausstellungen und schrieb unsere Vereinschronik.

Enturf der Figuren für unsere Ortspyramide

16 Jahre lang betreute er unseren Kinderzirkel, eine Aufgabe, die ich dann schließlich 1980 von ihm übernahm.

Bei den Mildenauer Schnitzern wurde er gern und herzlich aufgenommen. Sein Können, sein Schaffen war längst über den eigenen Verein hinaus bekannt und fiel auch in Mildenau auf fruchtbaren Boden.

 

Heute, (am 8.März 2001), wäre er 70 Jahre alt geworden.

Doch der Tod hat ihn am 20.April 1995 plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen.

Wäre er heute hier unter uns, so denke ich, daß wir ihm die größte Freude bereitet hätten, wenn wir uns an seine Mannle, an der Vielfalt seiner Arbeiten erfreuen und ihn so fest in unserer Erinnerung behalten werden.

Ich wünsche ihnen allen viel Freude an dieser wunderbaren Ausstellung und danke allen, die zu ihrem Zustandekommen beigetragen haben.

Herzlichen Dank !

Wolfgang Süß

06.03.2001

Anmerkung: Die Beiträge Farbige Gestaltung und Pyramidengestaltung auf meiner Homepage wurden nach Manuskripten von Manfred Nestler bearbeitet.

zurück zur HOMEPAGE